Reaktionen von HEPs zur "neuen Berufsbezeichnung"

von Gerhard Hofbauer

Kein anderes Thema hat in der letzten Zeit so viele Reaktionen ausgelöst wie die "Berufsbezeichnung HEP". Viele unserer Leser*innen habe sich dazu (kreative) Gedanken gemacht und diese an uns geschickt. Hier gab es auch einige Missverständnisse. Denn: Der Berufsverband Heilerziehungspflege mit seinen angeschlossenen Landesverbänden und der Mehrzahl seiner Mitglieder spricht sich vorerst gegen eine neue Berufsbezeichnung aus. (Siehe auch HEP-Informationen 2/19)

Hier einige der Reaktionen:

AUCH DAS NOCH - Aus HEP soll TEP werden?

Seit Jahren geht die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber für den Fachschulstudiengang Heilerziehungspflege kontinuierlich zurück. Viel zu häufig wird in den Einrichtungen die Personaldecke immer knapper. Parallel dazu, ist eine Diskussion um die Änderung der Berufsbezeichnung Heilerziehungspfleger/in im Gange, an der wir uns mit diesem Beitrag aktiv beteiligen möchten.
Wir, das sind Studierende einer Klasse, die sich im 7.Semester der berufsbegleitenden Ausbildung zur/zum staatlich geprüften Heilerziehungspfleger/in (HEP) befinden.Grundsätzlich stehen wir einer neuen Berufsbezeichnung offen gegenüber, wobei die von der „Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege in Deutschland e.V.“ favorisierte Berufsbezeichnung „Fachkraft für Teilhabe und Pflege“ sicherlich keine anzustrebende Alternative ist - UND DAS SIND UNSERE ARGUMENTE!
Unter Berücksichtigung der UN-Behindertenrechtskonvention und den breit gefächerten Einsatz- und Aufgabenfeldern wird die Komplexität des Berufsbilds „Heilerziehungspfleger/in“ deutlich, dessen Kern die sozialpädagogische- und pflegerische Begleitung von Menschen aller Altersstufen mit unterschiedlicher Beeinträchtigung bildet.
Unzweifelhaft ist Pädagogik das Fundament dieser Arbeit und für eine professionelle Begleitung unabdingbar. Sie stellt somit ein wesentliches Qualitätsmerkmal dar, welches durch umfassende Pflege ergänzt wird, falls dies erforderlich ist.
Insbesondere im Kontext der Inklusion an Kindergärten und Schulen sind fundierte sowie umfassende Kenntnisse über frühkindliche Entwicklung, Erziehung und Bildung, ein Thema von gesamtgesellschaftlicher Relevanz.
Darüber hinaus gilt es erwachsenen Menschen im Rahmen der Andragogik angemessen zu begegnen. Hier erstreckt sich das Spektrum von stellvertretender Ausführung in nahezu allen Alltagssituationen, über die Familienhilfe, bis hin zu reiner Assistenz. Selbstverständlich müssen dabei die Entwicklungen in der Eingliederungshilfe stets beachtet werden.
Dieser Bedeutung nach sind richtigerweise auch die Ausbildungsinhalte angepasst. Daraus resultiert, dass in der Fachschulausbildung durchgehend u.a. Psychologie, Pädagogik, Medizin und musische Disziplinen vertreten sind. Damit ist sichergestellt, dass der ganzheitliche Ansatz des Berufsbildes umfassend, fachlich fundiert und praxisrelevant vermittelt wird.
Rückschlüsse für eine Namensfindung aus den Sachverhalten „Teilhabe“ und „Pflege“ zu ziehen erscheint wenig sinnvoll und wird der KOMPLEXITÄT des Berufsbildes absolut nicht gerecht. Eine Verkürzung auf zwei Bereiche widerspricht der Ganzheitlichkeit und muss daher vermieden werden.
„Fachkraft für“ ist weder eine singuläre, geschützte Berufsbezeichnung, noch vermittelt diese Assoziationen, die mit einem anspruchsvollem Fachschulstudium in Verbindung stehen. In der Regel wird der Status „Fachkraft für“ durch zeitlich knapp gefasste Qualifizierungskurse erreicht. Hierzu zwei Beispiele aus der Arbeitswelt: Fachkraft für Betreuung (6 Monate) und Fachkraft für Inklusion (9 Monate). In diesem Zusammenhang empfinden wir „Fachkraft für“ als nichtssagend und abwertend.
Bevor die Namenssuche beginnt, sollte zunächst die Einführung der dritten Stufe des Bundesteilhabegesetzes abgewartet werden, da zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar ist, wie sich die gesetzlich verankerte strikte Trennung von Fachleistung und existenzsichernder Leistung, auf die Gesamtentwicklung auswirken wird.
Aus den genannten Gründen sind wir von der im Raum stehenden Berufsbezeichnung „TEP“ in keinster Weise überzeugt, sondern halten diese für eine klare Abwertung des Berufs Heilerziehungspfleger/in und somit für eine folgenschwere Fehlentwicklung.
Bei dem Bemühen eine neue Berufsbezeichnung für die Heilerziehungspflege zu finden, ist aus unserer Sicht der pädagogische Schwerpunkt zu betonen. Zudem muss gleichzeitig die Aufwertung des Berufsbildes durch die Anerkennung als vollwertige pädagogische Mitarbeiter/in für sämtliche Einsatzfelder erfolgen. Besonders wichtig dabei ist, die berufspolitische und zukunftsorientierte Positionierung der Heilerziehungspflege sicherzustellen. Berufsbezeichnungen wie zum Beispiel „Sozialpädagogin/Sozialpädagoge - Fachrichtung Eingliederungshilfe“ oder „Inklusionspädagogin/Inklusionpädagoge“ weisen den Weg in die richtige Richtung!

Abraham, N. Beil, F. Döring, D. Facius, R. Geiger, M.-L. Hoffmann, C. Kopka, M. Koßendey, S. Kropp, I. Lamm, K. Langner, M. Lübko, L. Michaelis, J. Michalke, R. Mimmo, R. Neumann, H. Özer, S. Schwabe, O. Steil, R. Steinborn, T.Willing, A.Woitas


Sehr geehrte Damen und Herren,
wir schreiben Ihnen unsere Meinung zum Thema neue Berufsbezeichnug Fachkraft für Teilhabe und Pflege (TEP).

Mit freundlichen Grüßen
HEP 18 Linda Adomeit und Ann-Kathrin Gruber


Vom HEP zum TEP oder vom Umtausch einer Tasse.

Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Tasse. Diese Tasse ist schon etwas abgenutzt und der Henkel ist auch schon abgebrochen. Was sie mit dieser Tasse wollen, weiß keiner so recht. Sie zeugt von vergangenen Tagen. Sie entschließen sich also die Tasse wegzuschmeißen und eine neue zu kaufen. Sie freuen sich, denn nun können Sie wieder Ihre Tasse am Henkel packen und Ihren Kaffee so richtig genießen. Doch dann werden sie darauf hingewiesen, dass Ihre Tasse tropft und sie entdecken einen Riss. „Hätte ich die alte Tasse auch behalten können.“, denken Sie sich und werfen die neue Tasse auch weg. Doch was, wenn sie die neue Tasse behalten müssen?
Dieses Szenario könnte den sogenannten HEPs, den HeilerziehungspflegerInnen, bevorstehen, da sich das Arbeitsfeld in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt hat, die Berufsbezeichnung zudem kaum Auskunft gibt und auch wenig ansprechend klingt, steht der Name seit Langem in der Kritik. Deshalb soll nun ein Neuer her: TEP – Fachkraft für Teilhabe und Pflege. Doch was bringt der neue Name mit sich?
Sicherlich nicht viel Gutes.
Ein Name sollte zuerst einmal natürlich gut klingen, denn allein der Klang ist in großem Maße für das Prestige und die Attraktivität einer Berufsgruppe verantwortlich, womit auch die Anerkennung in der Gesellschaft einhergeht und die Berufsentscheidungsfindung beeinflusst. Ob der neue Name dieses Kriterium erfüllt, ist natürlich nur subjektiv zu bewerten. Man sollte sich aber den Konsequenzen bewusst sein.
Doch auch der Inhalt der neuen Bezeichnung spielt dabei eine Rolle.
Was sagt uns denn nun der neue Name über den Beruf aus? Fachkraft für Teilhabe und Pflege.
Nun ja, Teilhabe, ein einfach anmutendes Wort, welches sich dann doch als recht komplex entpuppt. Teilhabe steht gleichzeitig für Alles und doch Nichts, denn Menschen die im sozialen Arbeitsfeld tätig sind werden damit so einiges assoziieren, da er fast schon inflationär, vor allem in der Behindertenarbeit, verwendet wird. Für alle anderen stellt es einen nicht zuordenbaren Begriff dar.
Und dann noch der zweite Teil: Pflege.
Dieser Begriff macht 50% der gesamten Bezeichnung aus. Unter Pflege kann sich zwar grundsätzlich jeder etwas vorstellen, jedoch nimmt die Pflege, entgegen der Erwartung, einen sehr unterschiedlichen Anteil ein. Unter Umständen kann dieser sehr hoch sein, mitunter aber auch gar nicht vorhanden sein.
Wie repräsentativ ist also eine so spezifische Berufsbezeichnung für ein so weit gefächertes Arbeitsfeld?
Und dann ist da ja noch die Fachkraft. Damit soll wohl die Fachlichkeit hervorgehoben werden, um das Prestige zu erhöhen und die Attraktivität zu steigern. Dieser Gedankengang ist zwar nachvollziehbar und sicherlich auch gut gemeint, dennoch gibt es dabei einen Haken. Die Bezeichnung Fachkraft wird im DQR 4 eingestuft, die Berufsausbildung des Heilerziehungspflegers aber im DQR 6.
Ein Widerspruch! Die Änderung des Namens wirkt daher sehr gezwungen, nur um der Änderungs Willen. Denn die Probleme der bestehenden Bezeichnung „Heilerziehungspfleger“ sind die Gleichen, die die Neue mit sich bringt. Es wirkt wie ein halbherziger Kompromiss, der aus Handlungsnot entstanden ist.
Doch wer profitiert von einer solchen Entscheidung?

Sina Kürschner, Monique Hoffmann, Sebastian Bär, Celine Reichhard
Auszubildende in der Heilerziehungspflege


Sehr geehrte Damen und Herren,
im Anhang senden wir Ihnen unseren Eindruck zur Berufsbezeichnnungs-Änderung.

MfG Constanze Walbrodt


Leserbrief zum Text „Neue Berufsbezeichnung für HEPs?!?“

Gerade mit der Ausbildung begonnen, wurde bekannt, dass aus dem Heilerziehungspfleger (kurz: HEP) die Fachkraft für Teilhabe und Pflege (kurz: TEP) werden soll.
Zunächst erst einmal, wieso überhaupt ein neuer Name? Das Komitee ist der Meinung, dass HEP veraltet, überholt und nicht mehr den aktuellen Standards entspricht. Deswegen wurde beschlossen, dass der neue Name ansprechend sein soll, Vielfalt ausdrücken soll und kurz und prägnant sein soll. Außerdem soll eine direkte Aussage zum Inhalt des Berufes, eine fachliche Identität, Dynamik und die Bedeutung von Pflege enthalten sein. Dabei sollte das vorhandene Niveau erhalten bleiben. So wurde zwischen den Bezeichnungen „Inklusionspädagoge“ und „Fachkraft für Teilhabe und Pflege“ entschieden. Zweiteres hat gewonnen. Dabei haben nur 21 an der Versammlung teilgenommen, wovon 16 für „TEP“ und 3 für „Inklusionspädagoge“ gestimmt haben. Wie kann es sein, dass 19 Personen eine so wichtige Entscheidung tragen sollen? Und was ist mit den betroffenen tausenden von Heilerziehungspflegern die diesen Beruf ausüben und in Zukunft eine neue Berufsbezeichnung bekommen sollen!? Wo ist ihr Mitspracherecht?
Mal abgesehen davon, dass es aufgrund unserer Herkunft (Franken) zu Verständnisproblemen kommen kann („vom HEP zum DEPP“), sollte man überlegen, ob man überhaupt einen neuen Namen benötigt. Sollte sich die Regierung nicht eher dafür einsetzen, dass der Beruf mehr in die Öffentlichkeit gerät, dort Anerkennung findet und es bundesweit einheitliche Ausbildungsstandards, vergleichbare Ausbildungsinhalte und eine bundesweite Anerkennung gibt. Sodass jeder weiß, in welchen Bereichen er arbeiten kann und auch in ganz Deutschland eine Arbeitsstelle finden kann. Daran können wir aber nichts ändern, denn das Ministerium muss dafür sorgen, dass die veralteten Inhalte überarbeitet werden und der Name Programm ist. Der Praxisbezug kommt zu kurz in der Ausbildung, da sich das vermittelte Theoriewissen komplett von der beruflichen Praxis unterscheidet. Man könnte meinen, dass die Theorie und die Praxis zwei verschiedene Ausbildungen sind.
Wir sind zuerst für eine bundesweite Anpassung und dann für eine mögliche Namensänderung.

Dana Weiß, Jonathan Zitzmann, Lena Zimprich
Fachschule für Heilerziehungspflege Coburg, HEP_18


Wir sind Schüler von der Fachschule der GGSD in Creidlitz und haben uns im Rahmen des Unterrichtes Gedanken zur Änderung der Berufsbezeichnung gemacht.

Mit freundlichen Grüßen die Schüler der Hep 18



Leserbrief zum Thema „TEP“

Sehr geehrte Redaktion,
wir beziehen uns auf Ihren Artikel in der HEP-Information 1/19, in der es um die neue Berufsbezeichnung für den HEP ging.
Wir, die Schüler und Klassensprecher der Augustinus Fachschule für Heilerziehungspflege in Gremsdorf, möchten hiermit unsere Bedenken bezüglich des Themas äußern.
TEP? Was bedeutet das?
Im Bayrischen Sprachgebraucht heißt es erstmal kurz und bündig. DEPP. Was das bedeutet brauchen wir hier wohl nicht näher erklären. Aber was bedeutet die Abkürzung noch.
Hier kurze Ergebnisse unserer Recherchen:
TEP (Medizinisch): Totalendoprothese – ein künstlicher Gelenkersatz – gut, somit erklärt sich der Begrif Pflege in der neuen Berufsbezeichnung
TEP (englisch) Traded Endowment Policies: Britsche Lebensversicherung – auch gut, wir sind für unsere Klienten da und gestalten ein möglichst selbstbestimmtes Leben mit ihnen zusammen – irgendwie auch Lebensversicherung oder?
TEP (Bundeswehr): Truppen Entseuchungs-/Engiftungsplatz – dazu möchten wir jetzt keinen Kommentar abgeben!!!
TEP (mathematisch): Terrassenpunkt in der Kurvendiskussion in dem die Steigung einer Funktion 0 wird – jawohl….genau so haben wir auch geschaut als wir das erstmal gehört haben das wir jetzt dann TEP`s sind.
Aber zurück zu ihrem Artikel. Im Artikel steht eindeutig geschrieben, dass der Kompromiss (!) zur Berufsbezeichnung ziemlich überstürzt zusammen gekommen ist. Nach einem ganzen Tag Diskussion und Arbeitskreisen drängte die Zeit, so dass einige Teilnehmer bereits die Heimfahrt antreten mussten und das letztendliche Ergebnis gar nicht mehr mitbekommen haben.
Aus HEP wird TEP.
Aus HEP-H wir TEP H
AUS HEP-E wird TEP-E (Fachkraft für Teilhabe und Pflege im Erziehungsdienst)
Wir sind dagegen. Wir sind keine T(D)EP `s. Wir sind weder eine Fachkraft für Pflege, noch eine Fachkraft für Teilhabe. Wir sind ganzheitlich orientierte Lebensbegleiter, welche personenzentriert Arbeiten um einen Menschen mit jeglicher Art von Einschränkung zu unterstützen, sein Leben möglichst selbstbestimmt bewältigen zu können und ein volles Mitglied in der Gesellschaft zu sein.
Das der Berufstitel neu diskutiert werden sollte, steht außer Frage, aber warum Fachkraft? Warum Pflege? Wir sind Berater, Begleiter, Assistenten und Pädagogen.
Statt lange rum zu diskutieren wie der Beruf zukünftig benannt werden soll, soltlen sich die Verantwortlichen lieber mal Gedanken darüber machen, wie der Beruf unabhängig des Namens, Bundesweit auf einen Standard gebracht werden kann.
Am 8. Mai 2019 findet der zentrale Schülertag der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf statt. Durch ein geschlossenes und einheitliches Auftreten, Infostände und Informationsmaterial sowie einer Unterschriftenaktion, möchten wir ein Zeichen setzen, das wir diese Berufsbezeichnung nicht ohne Gegenwehr akzeptieren werden. (Siehe Bild unten)
Unser Statement steht klar:
Wir sind lieber HEP als TEP

Info-Stand beim Schülertag der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf

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