Offener Brief zum Thema "Berufsbezeichnung"

von David Schmidt

Positionierung des Berufsverband Heilerziehungspflege in Deutschland e.V.

„... und plötzlich steht unser Beruf in der medialen Diskussion und erhält die nötige Aufmerksamkeit.“

Allein dafür war es gut, dass ema auf die Tagesordnung zu setzen. Löste es doch eine Flut an Zuschriften, Tagungen, Diskussionen und Aufregern aus. Und nur, um es nochmals klarzustellen: Wir als Berufsverband Heilerziehungspflege sind nicht gegen eine neue Bezeichnung, wir sind aber auch nicht bedingungslos dafür! Leider machte es auf einige von Ihnen den Eindruck, als stimmten wir der Umbenennung zu, die Realität war jedoch eine andere. Es stand während des Workshops nicht zur Frage ob wir eine neue Bezeichnung wollen, sondern, nachdem die Protagonisten einen Namen favorisiert, ja kanalisiert haben, wir einverstanden wären, wenn es zur Änderung kommen sollte. Mit echter demokratischer Willensbildung hatte die Tagung in Würzburg unserer Ansicht nach nicht viel zu tun: Trickreich zieht sich die zu kritisierende Methodik von der Differenz zwischen Einladung und tatsächlichem thematischen Inhalt der Tagung über den Ablauf der Tagung mit professioneller Moderation, die keine inhaltliche Debatte zuließ, sondern nur noch auf eine neue Berufsbezeichnung für die Heilerziehungspflege fokussiert war, bis hin zur Abstimmung am Ende des Tages, die nicht einmal die Option einer Ablehnung der Namensänderung offerierte. So konnten die Teilnehmer nur zwischen „Ja 1“ und „Ja 2“ entscheiden, ein „Nein“ zur Auswahl gab es nicht.

Dies haben wir in den letzten HEP-Informationen nicht eindeutig ausgedrückt und es wird auf anderen Medien falsch wiedergegeben. Der Auftrag im Nachgang an diese Tagung war, das Ergebnis in die jeweiligen Verbände zu tragen und dort zu diskutieren und eine Rückmeldung zu geben. Die offensive Suggestion innerhalb der (Fach-)Öffentlichkeit, dass mit der letzten Tagung in Würzburg ein verbindliches und vor allem gemeinsames Ergebnis hergeleitet wurde, mit welchem sich nun alternativlos auseinanderzusetzen sei, ist schlicht falsch. Dass „die kindliche Kaiserin einen neuen Namen braucht“, ist nach unserer Kenntnis die Meinung eines eben nicht mehrheitlichen Zirkels innerhalb der Profession. Ein erheblich größerer Teil der Heilerziehungspflege spricht sich in Umfragen und Petitionen klar gegen eine neue Berufsbezeichnung aus. Leider wurde es versäumt, diese Rückmeldung, wie sie vereinbart war abzuwarten, bevor man diese großen Schritte geht.

Der Berufsverband Heilerziehungspflege mit seinen angeschlossenen Landesverbänden und der Mehrzahl seiner Mitglieder spricht sich vorerst gegen eine neue Berufsbezeichnung aus.

Vielmehr fordern wir die BAG-HEP sowie deren Mitglieder auf u.a.:

  • „das selbst erstellte und gewählte „Qualifikationsprofil Heilerziehungspflege“ (2. Auflage Januar 2019) konsequent in allen Bundesländern einheitlich umzusetzen,
  • „eine länderübergreifende Vergleichbarkeit der Ausbildung herzustellen,
  • „daran mitzuwirken, dass der HEP in allen Ländern die gleichen Bedingungen zum Zugang zum Arbeitsmarkt findet (Fachkraftstatus),
  • Ausbildungsvergütung,
  • „unbedingte Beibehaltung des Niveaus 6 nach DQR (Deutscher Qualifikationsrahmen).

Wir warnen zugleich davor, den Beruf zu destabilisieren, indem in Deutschland ein Flickenteppich von unterschiedlichen Berufsbezeichnungen, Ausbildungsarten und massive Unterschiede in der Anerkennung als Fachkraft entstehen. Allein diese Diskussion, die derzeit keinen breiten Konsens findet, schadet unserem Beruf und macht uns, wieder einmal, angreifbar!

Lassen Sie uns gemeinsam mit unseren Werten werben, statt über unseren Namen zu diskutieren.

Zurück